THRESHOLD - Aschaffenburg
Konzert vom 23.10.2026
Support: ANCIENT CURSE, COURSE OF FATE
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THRESHOLD
ANCIENT CURSE
COURSE OF FATE
Schon wieder vier Jahre sind ins Land gezogen, seitdem die britischen Prog Metalkings ein neues Album unter das Volk brachten. In der Zeit haben sie sich aber vermehrt ihrer Vergangenheit gewidmet und waren viel auf Tour. Zwei Jahre zuvor wurden von jedem Album je ein Song in die Show integrierte, nun folgte man der Mode ein ganzes Album komplett aufzuführen, wobei es bei THRESHOLD nur einen Kandidaten gibt. „Hypothetical“ ist so ein derartiger Meilenstein, der nicht nur die Band nach schwierigen Jahren wieder nach vorne brachte, sondern die vielleicht beste Metalscheibe seit „Painkiller“ ist. Im Colos-Saal zu Aschaffenburg waren noch COURSE OF FATE und ANCIENT CURSE als Support dabei.
COURSE OF FATE
Den Auftakt zu früher Stunde um 19 Uhr machten die Norweger, solche internationale Billings sind fast Standard bei den Herren von der Insel. So düster wie das Licht beim Opening Act, so düster war auch ihre Auslegung von progressivem Metal. Zu Beginn von „Behind The Eclipse“ vom gleichnamigen, neuen Werk versuchte sich das Quintett recht gekonnt an doomigen Stimmungen. In der Folge nahm ihre Mischung nicht viel mehr Fahrt auf, sondern verblieb im getragenen Tempo, Erinnerungen an FATES WARNING in der mittleren Phase kamen auf.
So schleppend wie sich ihre Strukturen entfalteten so bewegte sich auch Sänger Eivind Gunnesen über die Bühne Fast schien es, als hätte der Großgewachsene Angst, sich den Kopf am Lightning Rig zu stoßen, immer etwas gebückt war die Haltung. Was seine tadellose klare Gesangsdarbietung in keiner Weise störte, er konnte die Emotionen der getragenen Kompositionen gut vermitteln, und unterstrich diese mit ausladender, wenn auch behäbiger Gestik.
Passend dazu arbeitete Per-Morten Bergseth viel mit Toms, betonte wenig mit den Becken, und brachte so viel Atmosphäre rein. Was auch für die stets zurückhaltenden Akkordfolgen der beiden Gitarristen galt, die gerne mit Fills und Harmonien unterwegs waren. Die Soli riss Gründungsmitglied Kenneth Henriksen an sich, der mit der Formation einen langen Weg zum ersten Album zurücklegen musste, und noch der Agilste auf da oben war.
Von jenem Erstling „Mindweaver“ gab es in der halben Stunde nichts zu hören, aufgrund der Länge der Tracks blieb ohnehin nur Zeit für vier. Die stammten vom aktuellen Werk und wie „Vakyries“ von dessen Vorgänger „Somnium“. Torstein Guttormsen fügte viele tiefe Basslinien ein, während er sich die rechte Seite mit dem zweiten Axtmann Fedrik Jacobsen teilte. Beide hielten durchaus Augenkontakt zum Publikum und erfreuten sich dem Zuspruch, waren sonst auf ihr Spiel konzentriert.
Leider konnte das dumpfe Klangbild nichts alles von den vielschichtigen Songs offenbaren, einiges ging eher unter. So konnten COURSE OF FATE nicht ihr volles Potenzial ausspielen, in der kurzen Zeit hätten die Details besser ankommen müssen. Schade, denn es war ein sehr tightes Zusammenspiel zu erkennen, das auch von den bereits anwesenden honoriert wurde. Die eigenwilligen Skandinavier sollte man für die Zukunft auf dem Zettel haben.


ANCIENT CURSE
Eher ein Fall für die Vergangenheit waren die Deutschen im Billing, die schon fast so lange dabei sind wie der Headliner. In der Zeit, als der Erfolg von DREAM THEATER viele inspirierte, legten die Bremer gut los, machten dann aber mehr als zwanzig Jahre Pause. Nun wollen sie es nochmal wissen, und haben seitdem mit „The New Prophecy“ und „Dimension 5“ schon wieder zwei Longplayer veröffentlicht, von denen Lieder wie der Auftakt „Forevermore“, „Ave Maria“ oder „One Moment Of Fortune“ stammten.
Und wie sie es wissen wollten, denn wo der namensähnliche Opening Act auf Sphärik setzte, war von den progressiven Ansätzen erstmal wenig zu hören. Das Tempo war über das ganze Set von 35 Minuten sehr hoch, Frontmann Peter Pietrzinski und Gunnar Erxleben hauten sich gegenseitig die Riffs nur so um die Ohren. Die Haudegen waren dabei sehr bewegungsfreudig, gerade der Sänger hatte viele Posen drauf und stand oft breitbeinig mit ganz anderem Selbstbewusstsein hinterm Mikro.
Ganz unbekannt waren sie definitiv nicht, und hatten auch einige eigene Fans am Start, welche sie mächtig feierten. Da stimmte dann auch die Kommunikation, der gute Peter bedankte sich mehrfach für den Zuspruch und plauderte munter drauf los. Sein Kollege war eher für die wieselflinken Soli zuständig, harmonierte gut mit ihm, so stellten sie sich immer wieder gerne gegenüber, um sich gegenseitig anzustacheln beim Zocken. Da wurde auch Bassist Torsten Penz mit einbezogen, der sein Instrument weit hochgeschnallt hatte, das wie bei jedem an dem Abend mit fünf Saiten bespannt war.
Ihm war in seinem Dauergrinsen die Spielfreude fast am meisten anzusehen, mit technischen Raffinessen geizte er ebenso wenig. Ganz bewusst richtete er seinen Blick in die vorderen Reihen, wenn er feine einzelne Töne auf dem breiten Hals tappte, was natürlich entsprechend goutiert wurde. Auch wenn er mächtig die Kessel rühren musste, gab sich Drummer Matthias Schröder betont locker. Ein paar Variationen gaben die Stücke schon her, weitestgehend stand die Power im Vordergrund, allerdings war auch da der Sound bescheiden, so dass speziell in den flotten Passagen einiges verschluckt wurde.


THRESHOLD
Man durfte rätseln, wo im Set der Fünfer ihren scheinenden Monolithen unterbringen, der machte in der Frage wenig Federlesens. Was den Auftakt zu einem solchen Jahrhundertwerk bildet, taugt dazu jede Show der Welt zu eröffnen. Die flirrenden Keyboardlandschaften, gekontert von der Snare, dann schoben sich die Riffs durch die Synthesizerschwaden, und ließen sofort einen deutlich besseren Sound erkennen. Auffällig, dass die Stücke noch wärmer und harmonischer als auf Konserve dargeboten wurden, was womöglich daran liegt, dass heute nur noch ein Gitarrist in ihren Reihen steht. Nicht ganz so süßlich kam der unfassbare Refrain, dessen Harmonien dennoch die erste Erpelpelle auf die Körperoberfläche zauberten.
Das Publikum schien die Songs förmlich in sich aufgesogen zu haben in den vergangenen 25 Jahren, und trugen beim Mitsingen die Energie zurück auf die Bühne. Das bemerkte auch Glynn Morgan, der den Fans schon beim Chorus zum zweiten Song sein Mikrofon hinhielt. Nicht das einzige Mal, dass diese Geste dankend angenommen wurde, die Stimmung im Saal schwappte schier über. Kein Wunder, wenn eine Göttergabe die nächste jagte, die Mischung aus kernigen Metalsalven, opulenten Arrangements, rockigem Drive und süffigen Melodien kann einfach nur zünden. Dazu war die Truppe blendend aufgelegt und agierte optimal auf den Punkt, allerdings wirkte hierbei der Kopfhörer mit Clicktrack bei Morgan schon etwas seltsam.
Alleine die Hingabe, welche die Briten in jeden Ton legten hätte gereicht, um das ganze zum Fest werden zu lassen. Wie sich Karl Groom und Richard West sich die Solobälle gegenseitig zuspielten war phänomenal, völlig ohne Ego shifteten sie hin und her. So war das auch keine Selbstdarstellung, kein übertriebenes Gefrickel, sondern das geschickte Spielen mit den Motiven, um noch mehr Atmosphäre zu erzeugen. West entlockte dem Korg – und Nord-Synthesizer seine patentierten flink wandernden Läufe, blieb dabei sehr cool. Groom glänzte gerade in den langen warmen Tönen, die er bis zur Unendlichkeit zog, dabei seine Solar fast umarmte. Solch tiefe Emotionalität können wahrlich nur Saitenhexer von der Insel liefern.
Noch mehr zu bieten hatte der hauptamtliche Produzent bei der Riffarbeit, die ausreichend metallische Kante besaß, um so manche Haarpracht ins Bangen zu bringen. Dabei legte er sich ebenso ins Zeug und poste wild an der Rampe rum. Scheinbar liebte er es, immer wieder tief nach hinten abzuhocken, den Korpus in die Hüfte zu stemmen und den Hals hochzureißen. Ebenso beliebt den Kopf seines Spielgerätes wie ein Gewehr gen Zuschauer zu richten.
Groom erwies sich als sehr agil und drahtig, war viel unterwegs, dahingegen schritt Steven Anderson bedächtiger über die Bretter. Den Kontakt zu den Zuschauern hielt auch er, wenn er sich ganz vorne hinbegab, nur nicht so exaltiert, sondern eher ein Musterbeispiel für britisches Understatement. Der Bassist war für das warme Fundament zuständig, seine Hände schienen über die dicken Saiten zu schweben, was die Songs angenehm erdete und voller wirken ließ.


In der linken Ecke erhob der andere Teil der Rhythmsection die Arrangements eher, wenn er das epische Aufbegehren mit den Becken perfekt betonte. So hoben viele Parts regelrecht ab, speziell in den Longtracks, wo ganze Lieder ineinander verschaltet wurden. Damit das kleine Energiebündel nicht den Rest der Truppe an die Wand hämmert, hat man ihn vorsichtshalber hinter Plexiglas positioniert. Ungeachtet der räumlichen Trennung trieb er ständig seine Späße, und gestikulierte mit dem Publikum.
So zog dieses Überalbum den Colos-Saal immer mehr in den Bann, gerade das Spannungsfeld aus sanfter Weite und Abfahrten prägte das Geschehen. Wie ein Meer öffnete sich die Arme der Anhänger, wenn Morgan die monumentalen Refrains anstimmte und stimmlich dem guten Mac nahe kam, vor allem bei der überragenden Powerballade. Gänzlich die Dämme brachen, als beim letzten Stück aus dem Zyklus der viel zu früh Verstorbene im sphärischen Part eingespielt wurde, viele konnten die Tränen nicht zurückhalten.
Nur was sollte anschließend kommen, THRESHOLD haben sich die Latte selbst unerreichbar hochgelegt. Aber ein Richard West wäre nicht er selbst, wenn er nicht genügend Backkatalog in der Hinterhand hätte. Brillierte er im „Hypothetical“-Part mit überragenden Piano-Staccato, so legte er unter einen Song des Spätwerks „Legends Of The Shires“ geniale wavige Keyflächen. Von jenem gab es zwei Kostproben, wie auch vom aktuellen Langeisen. Sogar vom Debüt gab es einen Auszug, während das reguläre Set mit dem vielleicht größten Hit der McDermott-Ära endete. Hier gipfelte nochmal das Aufeinandertreffen von Euphorie und Emotion, als alles die philosophischen Lyrics hinaus brüllte. Diese Band müsste so viel größer sein, unsterblich hat sie sich schon gemacht.
Setlist THRESHOLD:
Light And Space
Turn On Tune In
The Ravages Of Time
Sheltering Sky
Oceanbound
Long Way Home
Keep My Head
Narcissus
Silenced
Subliminal Freeways
Consume To Live
Mission Profile
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King Of Nothing
Small Dark Lines


Alle Fotos von Jutta Bradtke

