ROCK MEETS CLASSIC - Nürnberg

04 rockmeetsclassic nuernberg 01Konzert vom 09.04.2026

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ROCK MEETS CLASSIC

Es soll das letzte Mal sein, dass die erfolgreiche Reihe durch deutsche Lande tourt. Über die Gründe kann man rätseln, denn auch dieses Mal waren die Hallen wieder voll, insgesamt spricht man im Laufe der Reihe von 750.000 Zuschauern. Nach ein paar Anläufen entwickelte sich ROCK MEETS CLASSIC in den letzten fünfzehn Jahren zur jährlichen Tournee, bei der bekannte Rockstars mit der Band und Orchester ihre größten Hits im orchestralen Gewand darboten. In den letzten Jahren wurde es aber immer schwerer geeignete Künstler zu finden, im letzten Jahr waren es eher Bandmitglieder aus der zweiten Reihe, die verpflichtet wurden. Die gestiegenen Kosten dürften ebenso eine Rolle gespielt haben, da man die Ticketpreise nicht ins Unendliche steigern wollte. Nun durfte man ein letztes Mal der bombastischen Verquickung beider Welten lauschen, FFM-ROCK zog es dabei in die Frankenmetropole.

Wie bereits im letzten Jahr kam zuerst ein Stück, das nicht zum Repertoire der teilnehmenden Acts gehörte, welches von den sonst im Background tätigen Vokalisten gesungen wurde. Ehrte man damals den verstorbenen Gary Moore, so fiel die Wahl diesmal natürlich auf Ozzy Osbourne, der im letzten Jahr seinen Abschied sogar noch feiern konnte. „Paranoid“ war nun nicht wirklich für das Orchester geeignet, das da so gut wie keine Akzente setzen konnte, dafür rockte die Nummer ordentlich durch, bei der die Gitarristen Tom Naumann und Alex Beyrodt viel Spaß hatten. Auch wenn die vielen Stimmen, die laut mitsangen berührten, blieb die Quote an emotionalen Höhepunkten etwas hinter dem Vorjahr zurück. Das lag allerdings auch daran, dass die diesjährige Auswahl zum Teil deutlich härteren Klängen frönt, diese so präsent waren wie nie zuvor.

Eine weitere Änderung war, dass Alessandro DelVecchio diesmal die Tasten und musikalische Leitung übernahm und seine Doppelrolle ihn als Sänger etwas einschränkte. Da ohnehin die Stargäste das Salz in der Suppe sind, trat er anschließend bereitwillig den Platz an der Rampe ab und nahm hinter seiner Tastenburg Platz. Als erstes kam RONNIE ATKINS von den PRETTY MAIDS zu Orchesterklängen auf die Bühne. Tatsächlich spielte man das komplette Intro von „Future World“ mit Streichern und Bläsern, für solch erhebenden Momente wurde das Format einst aus der Taufe gehoben. Der Däne scheint seine gesundheitlichen Probleme überwunden zu haben, und konnte gegenüber dem Auftritt beim SwedenRock noch etwas zulegen.
Seine raue Röhre war schon ein Kontrast zu den meist im Melodic-Sektor beheimateten Gäste, dementsprechend verhalten kam er zu Beginn an. Zudem war er einer der agilsten an dem Abend und nutzte die volle Breite der Bretter aus, baute so einen Draht zum Publikum auf. Für die Saitenhexer war das Stück jedoch die nächste Gelegenheit sich in Szene zu setzen, die Läufe bereiteten ihnen ebenso viel Spaß wie dem Italiener an den Tasten. Die Wahl seines zweiten Liedes war etwas überraschend, mit „Little Drops Of Heaven“ stellte er den mit Abstand neuesten Titel des Abends. Der konnte die eher gesetzten Zuschauer besser abholen, die nun ordentlich mitklatschten, auch wenn Nürnberg stimmungstechnisch eher bieder blieb.

Im Anschluss bewies ROBERT HART Durchhaltevermögen, denn irgendwie wollte er nach seinem Auftritt gar nicht mehr von der Bühne, sondern erklärte die Ankündigung der folgenden Acts zur Chefsache. Das Charisma dafür hat er auf jeden Fall, ein Gentleman der alten Schule, der sehr auf sein Publikum einging und bei den Ansagen Höflichkeit bewies. Stimmlich war er jedoch nicht mehr so auf der Höhe, sein Gesang kam recht rau rüber, was gerade bei den Kompositionen, die eine klare Stimme benötigen den Genuss etwas schmälerte.
Das konnte er auch mit seinem sonst vorhandenen Elan nicht wettmachen, die Stimmungen der Songs unterlegte er mit ausladenden Gesten. Man musste auch feststellen, dass das Orchester „Davy´s On The Road Again“ nicht viel hinzufügen konnte, entweder swingte das Lied oder kam sehr getragen. Ohnehin eher ein Schaulaufen der Rocksolisten, allen voran DelVecchio mit seinen Moog-Klängen. Da passte „For You“ deutlich besser ins Bild, die Streicher übernahmen die Staccato im Refrain, was sehr wuchtig inszeniert war.

Leider noch einen schwächeren Auftritt legte ERIC MARTIN hin, der kaum einen Ton traf, und dessen einst glockenklare Stimme hörbar gelitten hat. Zudem sah der Mr.BIG-Sänger aufgedunsen aus, versuchte das alles mit guter Laune zu überspielen. Glücklicherweise konnte die Gesangsunterstützung auf und vor der Bühne die Schwächen noch etwas abfangen. Allerdings bekamen die Versionen von „Wild World“ sowie „To Be With You“ durch das Orchester noch einen zusätzlichen Kitschfaktor, so dass die noch süßlicher als im Original klangen. Beim eher atmosphärischen Opener „Take Cover“, dem einzigen rockigen Track von Martin, wussten die Symbiose zu gefallen, obwohl den Song die wenigsten gekannt haben dürften. Dafür die beiden anderen umso mehr, bei denen das Publikum sich mitunter am lautesten bemerkbar machte. Es war wohl eher der Spaßfaktor, der bei dem durchwachsenen Stelldichein im Vordergrund stand.

Da war die frühere NIGHTWISH-Chanteuse Tarja Turunen eine ganz andere Hausnummer, deren opernartiger Gesang natürlich bestens zum Thema passte. Auch die Arrangements waren wie für die klassische Bearbeitung geschaffen, was schon „Nemo“ verdeutlichte. Im Chorus säuselte die Dame wunderschön zu den Streicherteppichen, bevor das Solo von Tom Naumann empor stieg. Interessant zu beobachten, dass ihm Alex Beyrodt, der ja als Kopf der Band fungiert, diesmal sehr viele Soli überließ, unter anderem solch essenzielle. Aufgrund ihrer Stimme fielen ihre Soloalben noch orchestraler aus, dadurch hier mehr Möglichkeiten anboten.
Turunens großer Hit „I Walk Alone“ wurde in der Strophe fast ausschließlich vom Orchester getragen, und das zweite Solostück, das etwas dunklere „Until My Last Breath“ zeigte ebenso, was in dem Format alles geht. Sie durfte mit vier Liedern hintereinander ran und kredenzte noch die traumhafte „Sleeping Sun“, welches für eine derartige Darbietung wie geschaffen wirkte, das Publikum wegschweben ließ. Das tat TARJA gleichsam, wenn sie in ihrem aufwändigen schwarzen Kleid auf der Bühne unterwegs war. Dabei kam sie gerne bis vorne an den Rand, verteilte Kusshände an ihre Fans, und machte einen gelösten Eindruck.

Von dem Bombast ging es dann wieder zurück zu heftigeren Klängen, deren legendäres Intro sich natürlich ebenfalls bestens eignete. Doch spätestens, wenn „Doctor, Doctor“ anzog, dominierten die Äxte, gegen einen MICHAEL SCHENKER ist kein Kraut gewachsen. Das dachte sich wohl auch der gute Alex und überließ dem Helden die rechte Flanke. Meist war er dort behaftet, wenn ihn sein Frontmann nicht aus der Reserve lockte, der seines Zeichens alle Rockstar-Register zog. Ob das Spielen mit dem Publikum oder dem Mikroständer, sowie mit dessen Benutzung gewinnt R.D. Liapakis immer mehr Sicherheit, konnte viele seiner Vorgänger in den Schatten stellen. Schon seine Lederweste unterstrich den rockigen Charakter der Darbietung, die mit „Only You Can Rock Me“ den Musikern hinten auf den Stufen wenig Raum ließ.

Man durfte im Vorfeld ja hoffen, welchen seiner Klassiker Schenker in seiner daran nicht armen Karriere noch bringen würde, wie zuletzt stand auch die Liveaktivität im Zeichen des Flugobjekts. Sehr zur Freude des Verfassers dieser Zeilen legten sich die orchestralen Welten über das flirrende Intro ihres sagenumwobenen Longtracks. Wo sonst Synthstreicher die Gesangsmelodien umspielen, brachten echte „Love To Love“ zu seiner endgültigen Bestimmung. Als Epos hätte, das nur „Salisbury“ von URIAH HEEP toppen können, welches diese in dem Zusammenhang nie brachten, meterdicke Erpelpelle. Und dann noch das Solo zum Ende hin, bei dem es der Hannoveraner rauchen ließ, wie auch bei „Lights Out“, dass dem Ensemble im Hintergrund wieder deutlicher den Stecker zog.

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War das schon Rockgottgehabe zur Genüge, so konnte in der Disziplin nur noch einer eine Steigerung bringen. Den Jungbrunnen, in dem JOEY TEMPEST regelmäßig badet, könnte er mir mal zeigen. Bis auf die etwas kürzeren und glatteren Haare scheint sich der EUROPE-Fronter seit den Achtzigern nicht verändert zu haben, das Strahlelächeln immer noch strahlend weiß. Dazu bewegte er sich so flüssig über die Bühne, zeigte unglaubliche Akrobatik am Mikroständer und hatte immer noch Gold in der Kehle. Zu Beginn nahm er dann eine dritte Axt mit auf die Bühne, wobei „Ready Or Not“ unpassender war als vor drei Jahren „Walk The Earth“, einfach wegen der Einbindung der klassischen Elemente. Dafür war dann bei „Carrie“ der Edelschmonz angesagt, was vor allem die weiblichen Fans aus dem Häuschen brachte.

Ich kenne das nur vom Hörensagen, aber so muss das in den Achtzigern gewesen sein, als sein Starschnitt meterweise Scherenklingen stumpf machte. Plötzlich fand sich der Mittelgang voll mit jungen und älteren Damen, der gute Mann wurde mit roten Rosen überhäuft. Dabei schüttelte er ständig die Hände seiner Anhängerinnen und war ganz in seinem Element. Der Security gefiel das weniger, die jedoch mehrere Anläufe und volle Manpower benötigte, um die Menschen auf die Plätze zu verweisen. War auch schwer während „Rock The Night“ rockendes Publikum vom Gegenteil zu überzeugen. Der bessere Song von dem Album statt „Final Countdown“, wobei dessen Über-Fanfare sich wieder besser ins Thema eingliederte. Das Solo ließ sich Alex Beyrodt dann nicht nehmen, allerdings wäre hier eine Gastperformance von Schenker die Kirsche on top gewesen.

Stellte das Neujahrsjingle bei der letzten Teilnahme von Tempest den Schlusspunkt dar, so gab es noch einmal eine Hommage an einer der ganz großen gefallenen Helden. In der Tat hätte nichts passender als „The Show Must Go On“ sein können, bei dem sich die Vokalisten die Parts teilten und jeder auf seine Art interpretierte. So wurde es dann noch einmal sehr emotional, zumal es die Abschiedsvorstellung jener liebgewonnen Veranstaltungsreihe darstellte. Aber vielleicht spricht der Titel ja Bände für die Zukunft, es bliebt zu hoffen, dass wieder etwas ähnliches kommt.
Aber wie ja erwähnt fallen Helden nicht nur, sie werden auch einfach älter und lassen in ihrer Kraft nach. So stark diese Ausgabe qualitativ trotz dieser Hänger war, lässt sich nicht verhehlen, dass mit 125 Minuten sonst mehr ging, oft wurde noch eine Pause gemacht. Diesmal überbrückte das Orchester mit dem „Imperial March“, den sie perfekt in Szene setzten. Aber ein JOEY TEMPEST hatte 2023 sechs Songs und keiner der Akteure kam ein zweites Mal zum Zuge. Von einem ROBERT HART hätte ich mir vielleicht ei spätes BAD COMPANY-Bonbon gewünscht.

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