AXEL RUDI PELL - Saarbrücken
Konzert vom 07.04.2026
Support: NEVERLAND
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AXEL RUDI PELL
NEVERLAND
„Alle Jahre wieder“ möge man fast schon sagen, in der Tat lagen zwischen den letzten Konzerten des Pellators in der saarländischen Metropole nur je eineinhalb Jahre. Ob es an einer damit einhergehenden gewissen Sättigung lag, dass die Halle nur zur Hälfte befüllt war, oder an den derzeitigen Umständen lässt sich schwer sagen. Albumtechnisch legt AXEL RUDI PELL schon lange den Zwei-Jahres-Rhythmus hin, erst vor wenigen Wochen erschien „Ghost Town“, mit dem er mit seiner Mannschaft nun unterwegs ist. Die ist ebenso schon ewig unverändert, „Business as usual“ könnte man meinen, allerdings ist der Fünfer eine Bank. Im Gepäck sind die Schweizer NEVERLAND, die vor zwei Jahren ihr Comeback feierten.
NEVERLAND
Als traditionsgemäß um 20 Uhr die Licher ausgingen erschienen die drei Instrumentalisten aus dem Nebel, wobei der nicht sonderlich dicht war, eine der Maschinen, die in den kleinen Risern am Bühnenrand versteckt waren, köchelte nur vor sich hin. Wer die kleine Panne als schlechtes Omen für den Gig wertete sah sich leider bestätigt, als Sänger Mike Zotter hinzukam. Sein Schritt war mit gemächlich noch wohlwollend umschrieben, der Mann wirkte irgendwie schläfrig. Seine kurze einführende Ansage versprühte auch nicht unbedingt die große Power, und ließ nicht unbedingt gutklassiges erwarten.
Sein Gesang kam genauso rüber, schleppte sich eher, womit er jedoch nicht dem Tempo der Lieder entsprach. Die Power könnte der kräftige Frontmann durchaus in den Lungen haben, hielt sie aber komplett zurück. Warum der gute Mann so gehemmt war, kann ich mir nicht erklären, es war schon seltsam, wie er mit dem Daumen der Hand, die das Mikrofon hielt, irgendwie den Unterkiefer abstützte. In Punkto Gestik ebenso diese völlig emotionslosen angedeuteten Armbewegungen, dabei benötigt der progressive Metal seiner Truppe durchaus Emotionen. Alles nur angerissen, nie mit Verve durchgezogen, in getragenen Passagen wanderte die andere Hand in Zeitlupe empor.
Dass er im Mix sich nicht so durchsetzen konnte war allerdings nicht alleine seine Schuld, unter dem viel zu lauten Schlagzeug litt auch die Saitenfraktion. Da mühte sich Danis Kelesidis mit noch so gekonnten Figuren auf seinem bundlosen Bass, beim Zuschauer kam nichts an. Unterschwellig legte er ein interessantes melodisches Gerüst und die Kompositionen, tappte sogar die dicken Saiten, doch auszumachen war das selten.
Boris Stoll, neben Daniel Huber der Einzige der früheren Bandphase baute immer wieder raffinierte Breaks ein, beim Rhythmus hielt er sich manchmal zu lange auf einem Becken auf. Dazu klangen seine Toms zu trocken und konnten den Stücken nicht die notwendige Tiefe verleihen. Sein kraftvolles Spiel könnte die Riffs sicher gut unterfüttern, an dem Abend drückte es alles gen Limbo, eigentlich hätte man sein Kit gar nicht abnehmen müssen.
Als weiteres Manko erwies sich daher das Fehlen von Daniel Maurizi als zweiten Gitarristen, der ein wenig Power hätte reinbringen können. So musste Huber alles alleine stemmen, so manches Riff wirkte knackig und trotz Verdrehtheit songdienlich, es verpuffte nur ziemlich. Erst gegen Ende besserte sich das Klangbild leicht, wobei sich dann aber die vom Tape kommenden Keyboards mehr Raum verschafften. Wenn er glänzen wollte, musste der Sechssaiter in den Solomodus schalten, dann gelang ihm auf seiner Solar bemerkenswertes.
Auf dem Programm stand das komplette aktuelle Album „Illusory World“, der 2007er Erstling „Schizophrenia“ blieb außen vor. Der Opener „Legends“ blieb noch am ehesten im Ohr oder „Where Is The Sun“ und die Ballade „Life“. Am Ende kam mit dem rockigeren „No Time To Lose“ ein Remake vom Demo, und plötzlich wurde die Band wach und versuchte sich an sowas wie Stageacting. Da hat vielleicht der Titel Pate gestanden und man wollte den Rest des Konzertes nochmal nutzen, zu spät um mehr als Höflichkeitsapplaus zu ernten.


AXEL RUDI PELL
Das sollte sich 25 Minuten später schlagartig ändern, als abermals die Lichter ausgingen, und die Band sich zum Intro von der neuen Platte auf die Bühne gesellte, um traditionsgemäß mit deren Opener loszulegen. Der fällt diesmal rockiger aus als zuletzt, ohne das große DoubleBass-Gewitter. Das Auftauchen des Frontmanns hatte eine ganz andere Qualität, wobei sich bei dessen Qualitäten viele strecken müssen. Der Elan, mit der Johnny Gioeli auf die Bretter sprintete, deutete den Unterschied bereits mehr als an, wobei er über die ganzen 110 Minuten nicht stillstehen sollte.
Von einer Seite der Bühne zur anderen, bis ganz weit nach draußen, um ja keinen Fan zu vergessen, diese sehr persönliche Begegnung ist dem Sänger stets sehr wichtig. Da wurde gefühlt jedem einzelnen tief in die Augen geschaut, immer der Kontakt gesucht. Auch zu seinen Kollegen auf der Bühne hatte er eine enge Beziehung, schob Bassist Volker Krawczak öfter mal über die Bühne zu anderen Musikern hin. Solche Späße liebt er einfach, die Freude daran war ihm anzusehen, das Grinsen wich ihm selten aus dem Gesicht, seine gute Laune war ansteckend.
Ein Unikum, das dazu steht und auch zu seinen Gefühlen, die er nicht scheute zu offenbaren. Wenn er in einer seiner längeren Ansagen darüber referierte, wie dankbar er ist, diesen Job ausüben zu dürfen, der ihm so viel Freude bereitet, dann nimmt man ihm jedes Wort ab. Dass er für seine Anhänger alles gibt, war nicht zu übersehen, am Ende stand er völlig abgehetzt da oben, und das war ihm reichlich egal, den heiligen Curfew der Garage überzogen zu haben. So viele Kilometer, wie der Mann runterspulte, sie tun seinen stimmlichen Fähigkeiten keinen Abbruch, die Töne wurden bis zur Unendlichkeit gehalten. Unbeschwerte Melodiösität ging ihm ebenso nicht ab, in den Balladen spielte er das ganze feine Blatt aus, eine davon sogar ein Cover von Ed Sheeran.
Da wäre es schon wieder Zeit für eine neue Ausgabe von „Diamonds Unlocked“, wobei es von der anderen Zusatzalbenreihe „The Ballads“ einen Beitrag gab. Ansonsten gab es wenig Variabilität im Programm, das so schon bei meinem ersten Konzert von AXEL RUDI PELL in der Garage gestanden hatte. Allerdings freut man sich immer wieder auf jene Hits, von denen einer der größten direkt an zweiter Stelle von der Rampe geknallt wurde. Von einigen Alben wie „The Masquerade Ball“ tauscht Bochums zweitgrößter Rockstar neben dem Titelsong munter durch im Set.
Die eine oder andere jüngere Nummer hat sich ebenso etabliert, dazu wollte die neue Scheibe natürlich auch vorgestellt werden. Wer dessen Ensemble kennt, weiß, dass die Lieder nicht einfach so runtergespielt werden, sondern jenes sich alle Freiheiten der Improvisation gibt. Ferdy Doernberg an den Tasten und Drummer Bobby Rondinelli durften mit ausgedehnten Soli ran, wo sich der Keyboarder als ausgezeichneter Pianist mit Anleihen bei Jazz und Klassik entpuppte. Unentwegt grinsend hielt es ihn ebenfalls nicht immer auf seinem Platz, ab und an trug er eines seiner Geräte mit sich herum.
Großartig war auch der Altmeister hinter den Kesseln, der Pauke und Gong nur für seine Solodarbietung auf den Riser gepackt hatte. Es ist erstaunlich mit welcher Lockerheit Rondinelli scheinbar mühelos so viel Kraft in sein Spiel steckt. Dabei variierte er auf einem großen Becken sehr geschickt, um da immer den passenden Ton zu finden, ohne viel mit seinen Armen wirbeln zu müssen. Dies konnte er dann beim Solo umso mehr, welches er zum Teil mit bloßen Händen bestritt und dabei das Publikum bestens unterhielt. Sein Rhythmuspartner drückte die dicken Saiten genauso beherzt und war immer dann zur Stelle die Riffs weiterzuführen, wenn sein Bandleader zu seinen Solospots ansetzte. Um die Backgroundvocals machte sich Krawczak ebenso verdient, die mit ebenso viel Power rausgehauen wurden.


Einen richtigen Soloteil hatte unser liebstes Blondchen gar nicht für sich vorgesehen, dafür boten ihm seine Kompositionen schon Gelegenheit genug. Für seinen weichen Ton ist die Strat natürlich das ideale Instrument, damit scheint er mittlerweile vermählt. In den letzten Jahren wurde er drahtiger und agiler, seine glitzernden Turnschuhe strahlten mit seinen Tönen um die Wette. Um ihnen den nötigen Auslauf zu geben, begab er sich in den Fotograben, wobei er ohne Unterbrechung weiterspielte. An dessen Ende dann begleitet von einer Security hinaus durch die Reihen, die den guten Axel nach aller Regel der Kunst feierten. Da schlug er mit rechts mal kurz an, modulierte den Ton auf dem Hals weiter, um mit der rechten Hand viele Fistbumps zu verteilen.
In einem immer umkämpfteren Markt muss man sich da ein wenig publikumsnäher geben, seinen Fans derartiges bieten. Akustisch merkte man nicht, dass die Zahl kleiner war als bei den letzten Auftritten an selbiger Stätte, die Spielfreude des Fünfers übertrug sich ins Auditorium, das sehr laut mitsang, wenn Gioeli es aufforderte. Mit dem zum Standard gehörenden Medley steigerte sich die Garage in einen Rausch. Um dann bei der Zugabe eine dicke Überraschung zu bekommen, nach mehr als zwanzig Jahren fand diese Megaballade endlich den sicheren Weg ins Programm.
Dabei war klar, dass die Zeit nicht mehr für zwei Nummern reichen würde, der Band war es egal. Ihr Sänger legte in jede einzelne Note so viel Herzblut, dass die Tränen der Rührung flossen. Jener Song, mit dem AXEL RUDI PELL den Autor endlich konsequent von sich überzeugen konnte. Es mag sich tatsächlich vieles nach Dienst nach Vorschrift anhören, aber solche Momente zeigen, wie einzigartig jedes Konzert ist. Egal wie oft gehört, das Gimmick mit der Pause ohne Licht erlebt, der Rockhammer am Ende brachte alle müden Glieder zum Hüpfen, eine seiner besten Shows.
Setlist AXEL RUDI PELL:
Guillotine Walk
Fool Fool
Wildest Dreams
Strong As A Rock
Don´t Say Goodbye
I See Fire
Oceans Of Time
Mystica/Drumsolo/Mystica
Voodoo Nights
Carousel
-Keyboardsolo-
Sanity
Tear Down The Walls
The Masquerade Ball/Casbah/Ankhaia
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Forever Angel
Rock The Nation


Alle Fotos von Denise Albert/Rhiannon Photographys

