NOCTURNAL RITES


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Mailer
Interviewpartner: Jonny Lindkvist (voc.)

Homepage:
www.nocturnalrites.com

FFM-Rock:
Hi Jonny. Erstmal herzlichen Glückwunsch zur neuen CD „Grand Illusion“.  Mit eurem aktuellen Output habt ihr für mich nach „Afterlife“ euer bestes Album abgeliefert. Es verbindet für mich die Rauheit von „Afterlife“ und die Melodic z. B. von „New World Messiah“. Wie siehst du das selbst?

Jonny:
Da stimme ich dir vollkommen zu. Ich glaube, wir haben es geschafft, die Melodien noch weiter zu führen und die Songs dennoch rau und schneidig zu halten. Viele Bands heutzutage scheinen diese Schnittigkeit zu verlieren, wenn sie zum zweiten Mal einprägsame Melodien schreiben. Ich finde, wir erhalten die Balance zwischen diesen beiden aufrecht und streiten ab, so zu klingen wie eine dilettantische Popband.

FFM-Rock:
Wie wurde „Grand Illusion“ in eurem Heimatland Schweden im Vergleich zu Deutschland bei der Presse und den Fans aufgenommen?

Jonny:
Die Reaktionen waren wirklich großartig. Das Album macht sich prächtig in Schweden und ist nun schon seit sechs aufeinander folgenden Wochen in den Metal Charts. Eine Menge gute Reviews – und am Allerwichtigsten, die Fans scheinen 'Grand Illusion' zu lieben.

FFM-Rock:
Du selbst hast dich meiner Meinung nach stimmlich auch zu jeder CD in den letzten Jahren gesteigert. Was tust du dafür?

Jonny:
Tatsächlich nicht besonders viel. Ich denke, alles ist eine Frage der Zeit und der Planung der Aufnahmen. Als wir beispielsweise 'Shadowland' produzierten, machte ich alle meine Gesangsparts in vier Tagen. Ich sang allein am ersten Tag 15 Stunden durchgehend, haha...Es hat gut funktioniert, hätte aber auch zum Desaster werden können. Ich fand es viel besser, wie wir diesmal gearbeitet haben. Wir nahmen drei oder vier Stunden Gesang auf und dann machten die Jungs mit etwas anderem weiter und ich konnte mich ausruhen. Dann kam ich am nächsten Tag wieder und machte ein bisschen weiter und dann hatte ich einen Tag oder so Pause. Auf diese Weise konnte ich immer in bester Stimmverfassung sein und jedes Mal alles geben.

FFM-Rock:
Die Keyboard Parts auf „Grand Illusion“ wurden von Jens Johansson (Stratovarius) eingespielt. Auf Tour hattet ihr jetzt keinen Keyboarder dabei. Bleibt es in Zukunft bei dem Gastkeyboarder oder wird es da mal einen festen Mann geben?

Jonny:
Jens spielt tatsächlich nur ein Solo und die Pads auf einem Song namens 'Cuts like a knife'. Die Keyboards auf unserem Album wurden von einem unserer Produzenten gespielt und arrangiert. Für die Live Situation brauchen wir nicht wirklich einen Keyboarder, finde ich. Natürlich würde es einige Dinge einfacher machen, aber wir haben alles notwendige Zubehör, das von Festplatte kommt. Manchen Leuten gefällt diese Tatsache vielleicht nicht, aber für uns ist das okay. Die meisten professionellen Bands heutzutage haben Keyboards, die von der Festplatte kommen – sogar die, die wirklich einen Keyboarder haben.

FFM-Rock:
Noch eine kurze Frage zur Produktion und auch mein einziger Kritikpunkt bei „Grand Illusion“. Warum wurde am Schlagzeugsound so viel poliert und getriggert? Ein natürlich belassener Sound hätte meines Erachtens den insgesamt guten Stücken etwas besser zu Gesicht gestanden.

Jonny:
Wir haben ein paar Trigger genutzt, ja. Wir haben sehr hart am Schlagzeugsound getüftelt und sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Du bist bisher der erste, der die Produktion wirklich kritisiert, haha...

FFM-Rock:
In Skandinavien sprießen die Powermetal Bands wie Pilze aus dem Boden. Ihr schafft es jedoch euch davon Qualitativ abzuheben. Was ist deine Erklärung dafür?

Jonny:
Das Geheimnis ist es, nie aufzugeben, bis man weiß, dass man eine großartige Melodie und einen großartigen Song hat. Wir arbeiten sehr hart an den Melodielinien und manchmal scheint es, als dauere es ewig, ein Lied zu vollenden. Aber Melodien sind das Fundament melodischer Musik und deshalb ist an dieser Stelle kein Platz für Dilettantismus. Ich finde, eine Menge Bands geben sich mit weniger zufrieden und beschäftigen sich nicht so eingängig mit ihren Songs, wie sie eigentlich könnten. Vielleicht hoffen sie, dass sich manche Dinge im Studio lösen. Eine gute Melodie jedoch ist gut, egal, ob man sie mit einem Tapedeck aus dem Jahre '76 oder mit den neuesten Pro-Tools aufgenommen hat. Melodien sind alles.

FFM-Rock:
In den letzten Jahren hattet ihr hier in Deutschland gute Supportslots für Edguy und auch jetzt für Gamma Ray, bei denen ihr live zu überzeugen wusstet. Wie siehst du selbst eure Chancen hier mal eine (Co)Headliner Tour zu spielen?

Jonny:
2006 werden wir vermutlich selbständig auf Europatour gehen. Wir sind noch am Pläne schmieden und bisher noch nicht so weit – wir kamen ja vor einer Woche erst von Tour zurück, haha...In Schweden werden wir im November und Dezember Headliner sein und Anfang 2006 sind bisher nur ein paar außerplanmäßige Shows gebucht. Aber wir werden die Pläne für nächstes Jahr, so bald wir können, entwerfen.

FFM-Rock:
In diesem Jahr wurde über euer Label Century Media die CD „Lost in Time“ veröffentlicht, die mir nicht vorliegt. Was genau beinhaltet diese CD?

Jonny:
Sie beinhaltet die ersten beiden Nocturnal Rites Alben (Anm.: In a Time of Blood and Fire und Tales of Mystery and Imagination). Eine, die seit fast zehn Jahren vergriffen ist. Ich singe neu aufgenommene Versionen zweier Songs des ersten Albums. Sie sind richtig cool ausgefallen, so was wie ne Halbballade, eine halb akustische Geschichte. Auf der Veröffentlichung befinden sich außerdem noch einige Japan-Bonustracks, sowie etwas Videomaterial.

FFM-Rock:
Auf der DVD der Limited Edition von „Grand Illusion“ ist der Soundcheck zum Orchester Konzert „Demons of the Opera“ enthalten. Wird es dieses Konzert in absehbarer Zeit als CD oder gar als DVD geben?

Jonny:
Sie wurde professionell aufgenommen und sie nicht zu veröffentlichen, wäre eine Schande. Ich habe das Rohmaterial und einen kurzen Edit gesehen und es sieht absolut erstaunlich aus. Ich hoffe, wir machen demnächst mal eine DVD und packen diese Show mit drauf. Es wird euch ganz bestimmt umhauen.

FFM-Rock:
Kannst du mal eine lustige Anekdote von einer Tour oder aus dem Bandleben erzählen? Ihr seid ja gerade auf Tour als kräftige Biertrinker bekannt und da dürfte das ein oder andere lustige ja dabei passiert sein.

Jonny:
Ja, da gibt es schon einiges, aber wegen der großen Menge an Bier, die wir vertilgen, können wir uns nie an etwas erinnern und bekommen danach dann immer irgendeinen Kram erzählt. Haha, dann wissen wir nie, was wirklich wahr ist und was nicht. Ernsthaft, wir haben immer eine Menge Spaß auf Tour und es passieren immer wieder lustige Geschichten, wenn man manchmal mit bis zu 15 Mann in einem Bus ist.

FFM-Rock:
Da sind wir auch schon am Ende. Dein Schlusswort an eure deutschen Fans, unsere Leser und die Ignoranten eurer Schweden Power ist jetzt gefragt.

Jonny:
Holt euch 'Grand Illusion' und dreht durch! Spielt es so laut ihr könnt und dreht es niemals runter, bevor die Polizei an eure Haustür klopft!

Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg!
Mike von FFM-Rock

© Foto 2005 by Stefan Hoidn