JOANNE SHAW TAYLOR - The Trouble With Love

VÖ: 23.10.2026
(Journeyman Records)
Genre: Blues Rock
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JOANNE SHAW TAYLOR
Fast scheint es, als hätte die Dame ein Stück weit auf mich gehört, dabei war mir ein Gespräch am Rande des Gigs in Mainz nicht vergönnt. Wenigstens kam sie nämlich mal wieder auf das europäische Festland, und im Frühjahr gleich noch einmal. Dafür verlängerte sich die Zeit zwischen zwei Releases auf eineinhalb Jahre, was immer noch zügig ist. Zuletzt geriet JOANNE SHAW TAYLOR wegen der komprimierten Produktion und den gefälligen Songs in die Kritik, lief Gefahr in eine ähnliche Falle wie ANA POPOVIC oder JONNY LANG zu tappen. Ob sie ihre neuen Kompositionen aufgrund ihres Pensums reifen ließ, ist zu bezweifeln, schafft sie mit „The Trouble With Love“ die Kehrtwende?
Zu Beginn sprühen auf jeden Fall die Funken, die auf Inspiration schließen lassen, der eröffnende Titelsong hat viel Drive und leicht Rockabilly-artige Gitarren. Im Refrain sorgen die souligen Chöre für mehr Feuer und überraschen in dem Zusammenhang, bevor im Solo weiter nachgelegt wird. Niemand Geringeres als Labelboss JOE BONAMASSA lässt hier Saiten und Muskeln spielen und harmoniert dabei sehr gut mit Miss Taylor.
Fulminant fallen die Solospuren im folgenden „Hell Or High Water“ ebenfalls aus, hier packen zudem die Riffs zu. Anfangs noch mit akustischen Anschlägen unterwegs, explodiert die Nummer mit dem ersten Chorus förmlich und setzt den Telecaster endlich wieder kantig in Szene. Über dessen Hals slidet die Gitarristin in der Folge öfter, die fast gospelartigen Arrangements sind erneut am Start, und geben zusätzliche Kontraste.
Kevin Shirley gelang es hier, diese besser einzufangen als beim Vorgänger, wo alles etwas verschwamm. Noch kraftvoller wird bei „Never Gonna Please ´Em All“ in die Saiten gehauen, angetrieben von offenen Shuffles und der Hammond. Um die wiederendeckte Spontaneität zu unterstreichen wurden Publikumsgeräusche eingeflochten, welche den Track noch lebendiger wirken lassen. Hat sie schon auf „Black & Gold“ etwas tiefer gecroont, so glänzt sie im fordernden „Bad Boy“ mit fast verruchter Stimme, auch wenn die Gitarre cleaner abgenommen wurde. Diese nutzt sie im Verlauf in mehreren Liedern, mit denen die Americana-Seite herausgekehrt wird.
Da wäre das lockere „What Good Is My Love?“ zu erwähnen, bei dessen Licks sie weitere prominente Unterstützung in Form von Orianthi erhält. In eine ähnliche Kerbe schlägt im Anschluss „The Girl You Loved Before“, wo JOANNE SHAW TAYLOR mit einem markanten Thema für nachhaltigen Eindruck sorgt. Ähnliches gelingt im ein bisschen schwülstigen „You And Me (Rachel´s Song)“, wo es dazu vom Piano übernommen wird. Die Tasten würzen die souligste Nummer mit schönen analogen Synthesizerklängen, die genauso die Siebziger durchscheinen lassen. Das E-Piano kommt auf „The Trouble With Love“ ebenso zu seinem Einsatz, wenn es durch die Ballade „Tired Of Being Right“ führt.
Auf dem elften Longplayer gelingt es tatsächlich wieder kerniger zu Werke zu gehen, die oft kurzen Titel kommen direkt auf den Punkt. Da werden viele kleine Details eingebaut, Ideen aufeinandergeschichtet, die Reife im Songwriting verhindert ein Verzetteln. Mit den beiden längsten Stücken gelingen die stärksten Momente. Aus „This Is Who I Am“, dem Cover der Singer/Songwriterin CELESTE schafft Taylor mit noch mehr Orchester eine Stimmung, mit der sie sich für den nächsten Bond-Song bewerben kann, die fallenden Pianotöne sind brillant. Am Ende spaziert sie im hochatmosphärischen „Death Wish“ nachts durch die Wüste, wie es Bonamassa einst mit „Drive“ tat, hinter dem sie sich nicht mehr verstecken muss.
8 / 10

