THE PINEAPPLE THIEF - Far And Wide

10 pineapplethief

VÖ: 09.10.2026
(Inside Out/Sony)

Genre: New Art Rock

Homepage:
THE PINEAPPLE THIEF

Unglaublich wo Bruce Soord all die Inspiration und Zeit hernimmt, um all seine Projekte zu stemmen. Mit THE PINEAPPLE THIEF hat er ja schon eine der aktivsten Bands im Prog – und Art Rocksektor am Start, doch auch solo ist er immer unterwegs. Nachdem er vor zwei Jahren mit seiner Hauptband einen Longplayer und eine EP vorlegte, war er mit seinem Soloalbum in dem Jahr quasi bis zur Veröffentlichung von denen damit auf Tour. Hilfreich ist dabei sicher das mittlerweile stabile Line-Up mit dem PORCUPINE TREE-Drummagier Gavon Harrison. In welche Richtung bringt uns nun „Far And Wide“?

Das ist so ein Thema, denn trotz der Rekrutierung eines Mitglieds gingen die letzten Aufnahmen doch deutlich weg vom übergroßen Schatten der New Art Rockgötter. „It Leads To This“ und „Last To Run“ waren offener, betonten die Alternative-Schlagseite mehr, ein Fingerzeig gegen die die Formation schon immer begleitenden Vorwürfe. So verwundern schon die ersten Schläge von Harrison sehr, denn vom Ton ähneln sie arg dem Sound, den ihm sein anderer Bandboss Steven Wilson kreierte.
Nicht nur klanglich, auch vom Songwriting sieht man sich einem klaren Rückgriff auf die Anfangszeiten gegenüber. Die kantigen Riffs, die Polyrhythmik, der federnde Bass, die verhallten ruhigen Momente, die eruptiven Arrangements, sogar die Gesangsharmonien, alles atmet den Geist der anderen Combo mit dem Kürzel „PT“. Klar, „Hold The Ashes“ oder „God Knows“ gehen den geradlinigeren Weg der letzten Scheiben weiter, aber stilistisch eben auch zu sehr in den Fahrwassern der Vorbilder.

Bei den Versuchen sich mit ruhigeren Liedern freizuschwimmen scheitern THE PINEAPPLE THIEF an der mangelnden Vielfalt. Auch wenn man sich Schlenkern bewusst verweigert, um alles in konstantem Schweben zu halten gehen Nummern wie „This Empty Space“ doch an die sechs Minuten. Nur „Scattering Like Flies“ nimmt zwischendurch etwas mehr Fahrt auf, ohne sich von den Vorgaben lösen zu können. Man muss ihnen zugute halten, dass sie es verstehen eine feine Atmosphäre aufzubauen und schöne Soli einzuweben.
Besonders beim vom verfremdeten Piano getragenen „Through The Noise“, wo Soord die Slides auspackt, und ein paar Spannungsbogen reinbringt. Seine Truppe agiert im Hintergrund mit tollem handwerklichen Können, erzeugen mit ihrem Feeling eine hohe Emotionalität. Was auch für die eingängigen Kompositionen gilt, wenn da eben nur mehr Eigenständigkeit wäre. Aber vielleicht bietet „Far And Wide“ sich mit dieser Simplizität für diejenigen an, denen „Closure/Continuation“ zu verkopft ausfiel.

7 / 10