MOONSPELL - Far From God

07 moonspell

VÖ: 03.07.2026
(Napalm Records)

Genre: Gothic Metal

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MOONSPELL

In den letzten Jahren verwalteten die portugiesischen Helden ihren Status nur noch, die Abstände zwischen den Alben sind schon länger recht groß. Ob nun Live-Releases, spezielle Shows wie dem „Wolfheart“-Jubiläum oder der Orchester-Aufführung oder längere Tourneen wie mit DARK TRANQUILLITY, an Präsenz mangelte es MOONSPELL nicht. Beim Songwriting suchten die Mannen um Fernando Ribeiro eine Linie, auch Pioniere eines Genres, hier Gothic Metal, wollen sich entwickeln. Das mündete in der Vergangenheit öfter in einer Sackgasse, weswegen man hier vorsichtiger ist, wohin tendiert nun „Far From God“?

Unter einem sperrigen Riff schält sich eine Atmosphäre heraus, die man so schon lange nicht mehr gehört hat. Fiebrig treibt „Cross Your Heart“ nach vorne, der Rhythmus federnder und offener als zuletzt, dazu singt Fernando Ribeiro sehr klar und tief. Metal spielt keine Rolle, alles wirkt rockiger, ohne die Düsternis nicht missen zu lassen., ein melodischer Schmelz umweht alles. Dies sogar in den Soli, wobei Ricardo Amorim bei der Ausrichtung sonst kaum Akzente setzen kann und eher mit Fills arbeitet. Da weiß sich sogar Aires Pereira sich mehr in Szene zu setzen, seine dicken Saiten führen vor allem die Strophen, was bereits im folgenden Titeltrack deutlich wird.

Eindeutig konstatiert werden muss die Rückkehr zur Kernessenz des Gothic Metal mit eben reichlich Reminiszenzen an die andere schwarze Szene. Das duftet herrlich nach den Zeiten, als die Portugiesen mit „Irreligious“ den Durchbruch schafften, wobei nicht nur der eigenen Geschichte Tribut gezollt wird. Zu der Zeit sah der Autor die Band im Vorprogramm von TYPE O NEGATIVE, und vieles könnte glatt als Hommage an Pete Steele durchgehen, vor allem weil der Frontmann dessen Timbre sehr nahekommt. Mit Jaime Gomez Arellano wäre der nächste Bezugspunkt festzumachen, der hier produziert hat, und in der Funktion schon für PARADISE LOST tätig war.

Inwiefern das alles Spuren auf „Far From God“ hinterlassen hat, lässt sich nur schwerlich beziffern, jedoch erinnert das schleppende „Our Freedom To Fall“ schon an die Briten. Doch nicht nur in der Hinsicht orientieren sie sich an der Hochphase des Genres, sondern auch an ihrer lyrischen Ausrichtung von damals. Leicht noisige Beats werden in „The Great Wolf In The Sky“ von Schleiern umweht, zu denen Alicia Nuhro noch Streichinstrumente einbringt. Thematisch behandelt man sowohl Vampire als auch den Wolf, welcher in der gegrunteten Bridge in allen möglichen Sprachen angerufen wird, womit sich der Kreis endgültig schließt.

Vielleicht waren die letzten MOONSPELL-Platten ein wenig zu verkopft, hier herrscht endlich wieder ihre laszive, erotische Seite, Ribeiro kann so schön betören. Diese zurückgewonnen Romantik bekommt der Hörer auch in der schwebenden Powerballade „Your Promise Of Light“ zu spüren, in welche gar Klänge einer Kirchenorgel integriert sind. Im Chorus begehrt dann der Gesang in den gutturalen Bereich auf, was einen schönen Kontrast bildet. Die darin enthaltenen interessanten Drumpatterns werden anschließend bei „For The Love Of Mortals“ fortgesetzt. In der Nummer werden sie wunderbar aufgelöst, um Achtziger-Synthies den Weg zu bahnen.

Einzig das lauernde „Biblical“ lässt Schlüsse zu den Werken ab „Alpha Noir“ zu, wenn eher herkömmliche Metalzitate zum Zuge kommen. Analog dazu zeigt sich hier der größte Anteil von Grunts, die aber gut in die Atmosphäre eingebettet sind. Gerade „Omega White“ die Bonusdisc von genannter Scheibe deutet viel eher den Weg an, der hier beschritten wird. Selbst die Verzweiflung des Rausschmeißers „Reconquista“ stört dem Fluss kaum entgegen, wird mehr von ihm getragen. Die leichte Kurskorrektur steht der Formation ausgezeichnet, transportiert die damalige Aufbruchstimmung, auf „Far From God“ fehlt vielleicht nur ein echter Hit.

7,5 / 10