THE DAED DAISIES - Live Plus Five

VÖ: 01.05.2026
(Spitfire/Steamhammer/OPEN)
Genre: Hard Rock
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THE DEAD DAISIES
Anfangs eine Spielwiese des australischen Millionärs David Lowy, mauserte sich die Truppe zum Sammelbecken für gealterte Stars der Hard Rockszene. Die Jungs haben alle mit den ganz großen der Szene gespielt, da fiel nicht einmal der Ausstieg von Glenn Hughes ins Gewicht. Mit John Corabi kam ein umstrittener Frontmann zurück, viele werfen ihm vor die Crüe auf Abwege geführt zu haben. Fleißig waren THE DEAD DAISIES seit 2013 mit sieben Studio – und zwei Coverscheiben, mit denen sie sich als Alternative zu den Stadionbands andienen wollen, in dessen Reihen die Musiker standen. Eine Livescheibe und mehrere EPs stehen bislang zu Buche, eine zweite erschien nun mit „Live Plus Five“.
Mag der Titel etwas uninspiriert klingen so ist das Gehörte eine ganz andere Liga, denn die Band brennt tatsächlich ein Feuerwerk ab, wie man es aus den Stadien mit ihren alten Arbeitgebern kennt. Dabei ist das Stonedead Festival in Newark-On-Trent, wo die Band die Platte am 23. August letzten Jahres aufzeichnete genau so ein Ein-Tages-Event wie die Open Airs der Hochzeit des Genres. Lowy und sein Gefolge waren damals vor 5.000 Zuschauern Co-Headliner neben THE ALMIGHTY und beendeten damit die UK-Tour.
Von Beginn an geben sie mächtig Gas und lassen ihre Saiten rauchen, gerade das eines ihrer Markenzeichen. Natürlich laufen sie immer Gefahr zu überziehen, dass vor allem Doug Aldrich mit seinen massiven Fills die Songs gegen die Wand drückt. Hier aber finden sie genau die Balance, setzen bewusst auf Material mit den ganz dicken Riffs, welche auch eine ordentliche Dröhnung verkraften können. Beispielsweise der Biker Rock des programmatischen „I´m Gonna Ride“ oder „Ressurected“.
Dazu kommt die enorme Schlagzeugarbeit von Tommy Clufetos, der die Bezeichnung Fellegerber redlich verdient hat und den Arrangements noch einen draufsetzt. Das flotte „Take A Long Line“ treibt er unermüdlich an, aber es sind die Pausen, die er den Liedern gönnt, um dann punktgenau zu akzentuieren. Das ist einfach Rock in seiner direktesten Form, der auf dem Dokument klangtechnisch gut in Szene gesetzt wird. Auch der Bluesstandard „Going Down“ bekommt einen feinen Anstrich, ihm wird die Härte wohldosiert eingeimpft.
Auch wenn ich es nicht unbedingt gerne sage, aber Corabi ist es, der die Sache so richtig zur Party werden lässt. Gesanglich hat er ebenso viel Eier wie die Instrumentalisten, füllt die langgezogenen Melodien mit viel Kraft. Aber wie man seine Qualitäten als Fronter auch ohne visuelle Komponente nachvollziehen kann ist schon sagenhaft. Er diktiert das Publikum nach Belieben, ringt ihnen ein großes Singalong nach dem anderen ab. Mit den Ansagen trifft er ebenso den Nerv der Fans, reißt diese immer wieder mit, weiß die Euphorie von der Bühne ins Auditorium zu übertragen.
Da geht es in der Tat richtig ab, ob nun bei „Rise Up“, „Dean And Gone“ oder dem Alex Harvey-Cover „Midnight Moses“, das Stonedead steht wie eine Wand hinter dem Fünfer. Wie auch die Reaktionen zwischen den Liedern ist alles sehr gut im Mix eingefangen. So kommt natürlich Stimmung auf, die an glorreiche Tage des Hard Rock erinnert, das eher familiäre Flair der Veranstaltung wirkt mächtig aufgebläht. Mit Liedern, die vermehrt von „Burn It Down“ sowie dem neuen „Light ´Em Up“ stammen spielen sich THE DEAD DAISES gemeinsam in einen Rausch. Am Ende lässt Aldrich in der BEATLES-Hommage „Helter Skelter“ für ein paar Takte das Luftschiff steigen, um sich auch als versierter Gitarrist zu zeigen.
Bei der angehängten EP „Plus Five“ findet der Hörer fünf Lieder, die auf unterschiedlichen Konzerten der letzten beiden Jahre zusammengeschnitten wurden. Darunter weitere Bluesnummern wie das mit Mundharmonika dargebotene „Black Betty“, die leider aufzeigen, dass man diese nicht so gut umzusetzen vermag wie härteres Material. Gerade ihre eigenen Lieder zünden eindeutig besser und wissen auf der Bühne erst ihre Wirkung zu entfalten. Dazu herrscht da natürlich nicht so ein Livefeeling wie auf dem ersten Silberling, die Bindung zur Menge ist durch die Schnitte passé. Eine nette Ergänzung sicherlich, aber der Höhepunkt ist klar der Mitschnitt vom Stonedead, welcher die Truppe absolut in Topform zeigt.
8 / 10

