EINAR SOLBERG - Vox Occulta

04 einarsolberg

VÖ: 24.04.2026
(Inside Out/Sony Music)

Genre: Neoklassik/Prog

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EINAR SOLBERG

Mit LEPROUS hat der Sänger eines der interessantesten Prog-Monster geschaffen, die sich ihren völlig eigenständigen Stil erarbeiteten. Zuletzt dokumentierten die Norweger ihre erfolgreiche letzte Tour auf „An Evening Of Atonement“, nun zieht es EINAR SOLBERG zu neuen Aufgaben. Bereits vor drei Jahren brachte er mit „16“ ein sehr persönliches Soloalbum heraus, nun geht wird der Weg konsequent weiter beschritten. Für die Umsetzung von „Vox Occulta“ konnte das gefragte Norwegian Radio Orchestra verpflichtet werden, daneben noch der früheren BENT KNEE-Geiger Ben Levin. Die idealen Vorrausetzungen, um seine ausdrucksstarke Stimme noch besser in Szene zu setzten und sich an ganz große Kunst zu wagen.

Wie die Stammformation mit orchestralen Momenten wäre als Beschreibung nicht ganz gerecht, doch gibt sie grob vor, was einen erwartet, zumal das Timbre sehr charakteristisch ist. Was sich durchaus als streckenweise schwierig herausstellt, denn ohne einen gewissen rockigen Drive gehen die exaltierten Vocallines nicht so nach vorne. Ein Orchester weiß da nicht so den Schub zu geben, weswegen gerade der Opener von den Arrangements her mehr an klassischer Musik geschult ist. Vermutlich ist das Absicht, ringt dem Hörer jedoch deutlich mehr Arbeit ab, sich Zugang zu verschaffen.
Wo er sich absetzt, ist bei der Instrumentierung, denn übliches Rockzutaten finden sich selten, die zuletzt häufigen elektronischen Spielereien gar nicht. Solberg hat tatsächlich eigene Partituren für das Norwegian Radio Orchestra ausgearbeitet, immerhin ist er auf dem Gebiet ausgebildet und hat ein Faible dafür. Wie „Stella Mortua“ so hat auch der Titeltrack lediglich ein paar Flächen zu bieten, die Pierre Danel aus den sechs Saiten holt. Immerhin darf dieser im sehr ruhigen „Serenitas“ mit ein paar bluesigen Fills glänzen, wo die Nummer sonst von Piano und Geige dominiert wird.

Die finden sich auch im zwölfminütigen Longtrack „Grex“, das ruhig mit Geige beginnt, ebenso leise weint eine Orgel vor sich hin, bevor sich die Dynamik aufbaut. Die Orchesterparts sind sehr gut und direkt und authentisch aufgenommen, können ihre Klangfarben voll ausspielen. Wer auf derartige Klangwelten steht, sollte hier unbedingt ein Ohr riskieren, in der Mitte nimmt es sich wunderbar zurück. Gegen Ende tauchen doch ein paar Riffs auf, die von Chören übermalt werden, während der gute Einar dazu fast gruntet, einen derartigen Ausstieg haben mehrere Songs. Etwa beim ganz großen Drama von „Vita Fragilis“, wo die Rhythmik ein wenig das Staccatohafte der Stammformation mitbringt.

Auch hier weiß das operettenhafte Organ des Chefdenkers sehr gut mit dem Orchester zu harmonieren, was aber nicht verwundert, weiß er wie er seine Stimme zu nutzen hat. Lediglich „Medulla“ und „Liberatio“ bringen sich das Schlagzeug von Keli Gudjonsson und der NOVELISTS-Gitarrist verstärkt in den Vordergrund. Wobei jener sehr im djentigen Bereich arbeitet, alles sehr tief legt, ohne jetzt allzu dissonant dazwischen zu grätschen. Über weite Strecken ist „Vox Occulta“ ein fast klassisches Werk, obendrein sehr mutig, welches jedoch seine Zeit benötigt, sich damit auseinanderzusetzen. Viel Kopfkino, das cineastische Weiten eröffnet, aber das war auch der Anspruch von EINAR SOLBERG beim Komponieren, der Soundtracks im Kopf hatte.

7,5 / 10

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