GOTTHARD - More Stereo Crush

03 gotthard

VÖ: 13.03.2026
(Reigning Phoenix Music)

Genre: Hard Rock

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GOTTHARD

Im letzten Jahr schockten die Schweizer die Innung ganz schön. Waren sie einst angetreten, um den traditionellen Hard Rock vor dem Untergang zu bewahren, so adaptierten sie plötzlich genau jene Klänge der Neunziger, welche die Spielart damals bedrohten. Das war zudem eine bewusste Entscheidung, was absolut unverständlich ist, denn der heutige Zeitgeist verlangt nicht danach. Nun lassen GOTTHARD auf „Stereo Crush“ die Nachschlags-EP „More Stereo Crush“ folgen, man darf gespannt sein.

Mit der knüpfen sie erstmal an das Mutteralbum an, die Riffs sind recht rau und modern gehalten, die Leads verfügen über einen leicht psychedelischen Unterton. Dazu hat „Right Now“ einige Soundspielereien, die jedoch nicht ganz so auf up to date getrimmt sind, sondern viel eher richtig zurück in die Siebziger gehen, man höre nur die Orgel im Outro. Gerade die psychedelische Direktive kommt hier deutlicher zum Vorschein, wobei die auf dem Vorgänger bereits mit den BEATLES-Anleihen Gewicht bekam.

Zu Ehren der Fab Four wurde „Liverpool“ daraus noch einmal neu eingespielt, mit Marc Storace von KROKUS als Gastsänger. Mit seinem Reibeisen bekommt die Nummer einen hardrockigeren Anstrich, zudem ist der Bass noch markanter. Den hat Charlie Bauernfeind auf der EP spürbar heraus gemischt, was sich auch in den zwei metallischeren Stücken bemerkbar macht.
„Don´t Miss The Call“ erinnert an beste Hair Metal-Zeiten, das Riff schneidet wunderbar rein, dazu passen die „Hey“-Chöre vorzüglich und rufen nach Stadion. Hier wird ausgewogen zwischen knalligen Arrangements und Groove arrangiert, wo wie im folgenden „Mayday“ Marc Lynn am Viersaiter massiv pumpt. Beide Titel wären seinerzeit auf „G.“ nicht aufgefallen und zeigen in die richtige Richtung.

Am besten versöhnt „Snafu“ die angestammte Zielgruppe, wo der Riff Rock ruppig interpretiert wird. Das Schlagzeug schiebt mächtig und die Orgel röhrt, so machen GOTTHARD wieder Spaß. Zudem gehen die wenigen Experimente diesmal auf, die Ballade „Smiling In The Pouring Rain“ profitiert sehr von den psychedelischen Anklängen. Nur mit den Klampfen dargeboten werden sogar Erinnerungen an „Silent Lucidity“ wach. Dazu singt Nic Maeder gefühlvoll wie bislang noch nicht von ihm gehört.

7 / 10